Angeln auf Barsch: Gezielt auf die Dicken

Stephan Gockel

 

 

Mein Profitip bezieht sich auf einen Fisch, der von vielen Anglern eher als Randfisch betrachtet wird. Die wenigsten bejagen ihn gezielt. Mitunter kann er zur echten Plage werden, wenn sich vorwiegend kleinere Exemplare immer wieder an unsere Köder vergreifen. Er hat den Ruf eines dummen, gierigen Fisches.

Die Rede ist vom Flussbarsch. Für mich ist er zur Faszination pur geworden. Hierbei rede ich nicht von den kleineren Exemplaren. Sie sind wirklich ein wenig ungestüm und extrem Instinkt gesteuert. Sie haben zwar auch ihre Vorlieben, lassen sich aber, in einem passenden Gewässer, eigentlich mit einer kleinen Sammlung von Standartködern sehr leicht überlisten. Meist reicht es einen Meppsspinner in einer kleinen Größe (bis 3) in verschiedenen Farben auszuprobieren und ein kleiner gestachelter kann der Versuchung nicht widerstehen. In der Regel sind es die grellen Neonfarben, die sie in Beißlaune bringen. Anders wiederum sieht es bei den größeren Exemplaren ab 50cm aus. Sie sind es, die mir schon genau so viele hilf- und ratlose Stunden, als auch absolute Höhepunkte meines Angellebens eingebracht haben.

Es gibt kaum einen launischeren Fisch in unseren Gewässern! Sie wachsen ab einer gewissen Größe im Verhältnis zu anderen Fischarten nur noch sehr langsam und haben daher bei einer Länge jenseits der 50cm schon viele Jahre auf dem Buckel. In diesen Lebensjahren haben sie viel an Erfahrung gewonnen und schon einiges an Kunstködern vor der Nase gehabt. Ich glaube, dass es auch unter den Fischen intelligentere und weniger schlaue einer selben Art gibt. Die weniger intelligenten sind auf dem Weg zur 4Pfund-Grenze gefressen oder gefangen worden, die schlauen hingegen haben alles mit Bedacht in ihrem Leben gemeistert und sind daher so alt geworden. So sind es eben die großen, gerissenen und vor allem erfahrenen Barsche, die die Sache für mich erst interessant machen. Der in Fachkreisen verbreiteten Meinung, dass es einfacher ist einen 25Pfund Hecht, als einen Barsch über 50cm zu erwischen, kann ich mich nur anschließen.
Im Laufe der letzten Jahre habe ich immer mehr an Taktiken getüftelt, sie auf die Schuppen zu legen.
Bei meinen Erfolgen während dieser Zeit haben sich drei grundlegende Regeln herauskristallisiert:

Regel 1: Große Barsche sind sehr vorsichtig und extrem schnurscheu. Daher angle mit äußerst dünnen Schnüren: 0,16 bis 0,20mm Monofiler - noch besser ein im Wasser unsichtbares 0,18er FluoroCarbonvorfach- sind vollkommen ausreichend.

Regel 2: Du kannst dir sicher sein, dass große Barsche schon alles mögliche an Kunstködern gesehen haben und schon lange nicht mehr auf diese reagieren. Angel also anders als alle anderen Angler an diesem Gewässer auf Barsch und benutze außergewöhnliche Köder und Farben.

Regel 3: Fische an anderen Orten als bisher. Selbst, wenn du weißt, wo große Barsche stehen, glaube nicht, dass sie da auch zwangsläufig beißen. Suche die Wege zwischen ihren Standorten und den Jagdgebieten und angele auf halber Strecke!


Die Regeln in der Praxis umgesetzt sehen dann an einem See in etwa so aus:
Vom Boot aus mit dem Echolot liegst du schon weit vorne... Die beste Jahreszeit zur gezielten Großbarschjagd ist das Frühjahr. Sie sind zwar nach dem Ablaichen deutlich leichter als im Spät-Herbst, aber auch viel einfacher zu finden.
Suche dir Stellen, an denen das Wasser flacher ist, und am besten zu verschiedenen Seiten steil abfällt... zum Beispiel eine "Unterwasser-Landzunge" oder „Unterwasserberge“. In den ersten warmen Tagen des Jahres erwärmt sich die Wassersäule direkt auf dem Unterwasserberg als erstes, und Weißfische und anderes Kleinzeug tummeln sich im seichten, wärmeren Wasser. Die meisten Angler fischen nun zwischen den Schwärmen und fangen massenweise gute Barsche... wenn die 10 haben, habe ich meistens nur einen, aber meiner hat dann auch eine andere Größe....

Direkt zwischen den Schwärmen tummeln sich nach meiner Erfahrung überwiegend nur die "Kleineren" unter 40cm - sie brauchen den Schwarm nicht nur als Nahrungsquelle, sondern natürlich auch zum Schutz, um nicht selbst als Happen zu verschwinden. Die wirklich Großen haben in der Regel jedoch nicht mehr all zu viel zu befürchten und brauchen nicht mehr die Deckung des Schwarmes. Sie stehen meist tiefer, an den steilen, kühleren Kanten des Unterwasserhügels und schwimmen nur zum Jagen in die Schwärme. Es sind kleine Gruppen von bis zu 5 Fischen, die jedoch alle fast die gleiche Größe haben. Kleinere Exemplare wird es nie zwischen ihnen geben, da diese schnell als Zwischenmahlzeit der Größeren enden würden. Sie an der Kante zu befischen macht bei einem so reich gedeckten Tisch wenig Sinn. Die Barsche sind dort meist satt und träge. Interessanter wird es, wenn sie zum Jagen in Richtung der Schwärme ziehen.

Und das ist meine Erfolgs-Taktik:
Ich suche zuerst mit dem Lot nach einer passenden Stelle und den Schwärmen von Kleinfischen und Jungbarschen. Dann außerhalb dieser, an den Kanten, die Barsche. Nun ankere ich genau dazwischen und fange meine Barsche bevor sie die Schwärme erreicht haben. Gerade in diesem Moment, wenn sie Richtung Schwärme ziehen sind sie schon so gierig auf die Beute, dass dies der günstigste Augenblick ist, sie zu überlisten. Ein Köder zwischen den Beutefischen wäre sinnlos, da große Barsche da den Braten schnell riechen. Apropos Köder: Er sollte am Besten nur einen kleinen Happen, sozusagen eine Vorspeise im vorbeigehen, darstellen. Zudem sollte er auffällig sein. Anders als alles, was sie kennen. Sie sind nicht umsonst dick und alt geworden.
Zum Beispiel habe ich am Besten dieses Jahr mit einem silbern angemalten Bleischrot, welches ich direkt auf dem Schenkel eines sehr langschenkligen 10er Hakens klemmte, gefangen. Als Köder ungeschlagen waren dabei längs aufgezogene Nitrowürmer. Als Rute benutze ich eine Felchenrute. Den Haken samt Blei direkt an die Hauptschnur (Fluo-Carbon 0,20mm) und einen Wurm drauf. Das ganze einfach eine Handbreit über den Grund anbieten. Die Rute auf die Bootswand gelegt, und den Rest machen die Wellen. Dabei zuckt der Köder durch das Spiel der feinen Spitze verführerisch über dem Grund. Simpel aber tödlich. Das kuriose hierbei ist, dass ich so nur Brummer hatte - keinen einzigen unter 45cm....

Als eine Top-Montage, auch vom Ufer aus, baue ich eine leichte Grundmontage mit einer 10gr Bleikugel direkt auf der Schnur, Wirbel und einen 6er Haken am 120cm 20er FluoroCarbon-Vorfach. Auf den Haken kommt ein kleiner Mini Wackelschwanz mit Flavour in 5cm oder ein weicher Twister in 7,5cm mit einem breiten Schwanz. Die Köder entweder in natürlichen, gedeckten Farben, oder jedoch in extrem ungewöhnlichen Farben wie Pink. Das ganze weit aus werfen und mit geschlossenem Rollenbügel, an strammer Schnur gen Grund sinken lassen. Wenn die Schnur nachgibt und erschlafft ist das Blei am Grund angekommen. Nun mit der Rute leicht anzupfen, und an gespannter Schnur wieder abtaumeln lassen. Dabei die Rute immer nach oben zeigen lassen (am Besten eine Uhr im Geiste vorstellen und nur zwischen 11 und 12 Uhr agieren) Der Köder sollte im Halbkreis abtaumeln. Dann das gleiche noch einmal. Wichtig ist eine immer straffe Schnur damit man den Biss auch mitbekommt - das Blei sollte immer wieder den Grund berühren. Ab und an mal 5sek. liegen lassen, und weiter.... Die Bisse kommen meist in der Absinkphase.

Selbstverständlich funktioniert das auch mit einem kleinen Köderfisch, jedoch habe ich keinen einzigen Dickbarsch, dafür jedoch viele mittlere und hin und wieder einen Zander darauf bekommen.

 

© Daiwa 

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